Tanz – Installation – Bewegung


In ihrer Arbeit Im Zwischenraum setzt sich Claudia von Knorr mit Körper Raum und Bewegungserfahrungen der Eurythmie, des Tanzes als Motiv

einer Installation auseinander. Für einen Raum der OVADA Gallery in Oxford entwickelte sie ein zweiteiliges Konzept.


Die erste Installation ist begehbar, spiralig gebaut (252cm hoch x 270cm breit). Sie besteht aus weißem, lichtdurchlässigem Papier. Die fließenden Papierschichten hängen über einem Gerüst, das an einem Metalldraht pendelt. Eine Hülle, die Erfahrung von Leichtigkeit und Licht widerspiegelnd. In ihrem Zentrum befindet sich auf einem Stehpult und einer Lichtbox ein Buch (22x22cm) mit Kopien von Zeichnungen des Agrippa von Nettesheim (1486-1535). Jede Zeichnung zeigt eine Geste des menschlichen Körpers, eingeordnet in die Formen von Quadrat und Kreis.


Die zweite Installation bildet eine Diagonale im Raum. Sie besteht aus strapazierfähigem, wachsbeschichtetem, dunkelbraunem Baumwollstoff (228x248cm). 
Je nach dem Standort des Betrachters wirkt die Farbe undurchdringlich dunkel oder braunrötlich schimmernd.
Die Leinwand ist oben an einem Balken, unten zwischen zwei Podesten aufgespannt, die wie ein Dach leicht ansteigen (244x82x8cm). Der Balken ist durch zwei Metalldrähte mit der hohen Decke des Raumes verbunden.
Die Installation korrespondiert mit der Erfahrung des Gleichgewichts des stehenden Körpers. In der Beschaffenheit der Leinwand spiegeln sich die natürlichen Eigenschaften des Körpers wie auch der soziale und kulturelle Kontext des Menschen.

Interaktion

Der Akteur legt Dachziegel auf dem Boden aus. Eine Einladung um daraufzustehen. Es beginnt.
Der Fuss wird auf den flachen Stein gezeichnet. Der Besucher und der Akteur betrachten die Zeichnung einer Körpergeste. Der Besucher ist eingeladen, auf dem Podest stehend, die Geste zu bilden. Der Akteur beginnt ihren Umriss auf die Leinwand zu zeichnen.


Sehen - Erfahren - Verstehen

Nur in Bewegung eröffnet sich dem Besucher die polare Installation.
Im Umwandern, Näherkommen entdeckt er die weiße Form als begehbaren Raum, die gespannte Leinwand als potenzielles Aktionsfeld. Beim Gang in die lichtdurch-lässige Form trifft er auf das Buch mit den sechs Zeichnungen.
Eine Einladung zur Konzentration und zum Lesen. Zur Entwicklung eines inneren Bildes von Geste und Urbild. Heraustretend findet der Betrachter die Körpergeste wieder als Bewegungsspur, als Zeichen auf dunklem Grund.
Die Installation vereinigt die Erfahrung von Körper, Bild, Geste und Bewegung. Aus Erleben wird Verstehen.
Raum für den Zusammenhang.

 

Reflexion

Als praxisbezogene Forschung im Feld der Sozialen Skulptur arbeitet Claudia von Knorr Im Zwischenraum an der Sicht auf den menschlichen Körper und seinem Verhältnis zum archetypischen Urbild.

Sich des Zusammenhangs der individuellen Formen bewusst zu werden, vermittelt die Erfahrung der Gleichheit. Sich des Zwischenraums von Körper und Archetypus bewusst zu werden, vermittelt die Erfahrung der Menschenwürde.

Jede Realisierung des Projektes Im Zwischenraum wird auf den jeweiligen Ort und seine besonderen Bedingungen abgestimmt.



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